#1

Wohnraum/Küche

in Katlyn Moore 26.03.2014 22:39
von Katlyn Moore • 71 Beiträge

First Post

Gähnend schloss ich mein Appartment auf und trat in den dunklen Flur. Blind landete meine Tasche auf der kleinen Kommode und die Tür fiel hinter mir zu. Erst jetzt machte ich mir auch Licht an und schloss die Tür gründlich wieder ab. Es war spät geworden und scheinbar war King George schon langweilig geworden, denn er kam protestierend maunzend auf mich zu. Ich streifte die bequemen Slipper ab, die ich privat bevorzugte. Wenn ich zu Geschäftsterminen ging, zog ich meist Pumps mit hohen Absätzen an. Auch um zu kaschieren, dass ich mit 1,57 m nicht gerade sonderlich groß war.

Den Kater auf dem Arm, der immer noch leicht beleidigt war und mir deswegen seine Krallen in die Haut bohrte, tapste ich barfuß in das kleine Zimmer, dass Küche und Wohnraum zugleich war. Schließlich überwand ich mich doch und sah auf den Anrufbeantworter, doch meine Hoffnung wurde sofort wieder eingestampft. Wenn es wirklich so war, dass man wichtige Anrufe durch Abwesenheit provozieren konnte, dann funktionierte das bei mir nicht. Auch mein E-Mail Fach glänzte durch inaktivität. Noch nicht mal Spam Mails waren dort zu finden. Gefrustet schob ich den Laptop zurück. Ich hatte mich so sehr auf Malibu gefreut, doch scheinbar beruhte das nicht auf Gegenseitigkeit. Denn wenn das so weiterging, würde das Projekt "Heimkehr" scheitern.

Zwar waren ein paar meiner Kunden mutig gewesen und hatten den Schritt gewagt meine alten Arbeitgeber zu verlassen und ließen sich nun weiterhin von mir betreuen, doch das reichte eben nicht aus, um auf Dauer im teuren Malibu bleiben zu können. Selbst dieses kleine Apartment fraß schon jetzt meine Ersparnisse auf. In eine noch billigere Wohngegend konnte ich jedoch nicht ziehen, weil das eben wieder die Kunden abschrecken würde, die ich doch gerade anziehen wollte. Es war schon jetzt schwierig genug und das einzige mit dem ich Punkten konnte, war mein Knowhow. Doch wie sollte ich damit Punkten, wenn es sich noch nichtmal jemand ansehen wollte? Malibus Welt war eine andere, als in Detroit. Hier achteten die Leute viel mehr auf Statussymbole und damit konnte ich nun mal nicht dienen. Meine Kleider kamen von der Stange und trugen keine bekannten Namen. Zur Ablenkung war ich heute ins Kino gegangen, das hatte auch für die Dauer des Films funktioniert. Doch jetzt hatte die Realität mich wieder eingeholt.

King George hatte wohl seine schmollende Haltung aufgegeben und strich mir nun wieder um die Füße. Er war eine so genannte Glückskatze - dreifarbig. Und eigentlich eine Kätzin, denn Glückskatzen waren immer weiblich, nie Kater. Trotzdem hatte ich auf diesen Namen bestanden. Einfach weil sie so verdammt arrongant und hochnässig dreinschauen konnte. Wie ein König eben.

"Komm Georgie, fressen - für uns beide", fügte ich hinzu und stand seufzend auf. Damit schob ich die negativen Gedanken wieder beiseite. Mein Leben war bis dahin nie leicht gewesen und ich hatte für so vieles kämpfen müssen. Und trotzdem viel erreicht. Es war einfach nicht meine Art, lange zu hadern. Morgen würde bestimmt der große Fisch anrufen.

Ich stellte George noch sein Futter hin, machte mir ein paar Sandwiches und einen Eistee. So versorgt, ließ ich mich vor dem Fernseher nieder und zappte durch die Programme, bis ich über einen alten Film stolperte, denn ich maximal fünfmal gesehen hatte.

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#2

RE: Wohnraum/Küche

in Katlyn Moore 07.04.2014 17:05
von Katlyn Moore • 71 Beiträge

Bereits zweimal hatte mein Laptop einen E-Mail Eingang gemeldet und zweimal war ich enttäuscht worden, denn es handelte sich nur um Werbung. So beeilte ich mich beim dritten Mal nicht mehr und öffnete relativ lustlos das entsprechende Programm. Beinahe verschluckte ich mich an meinem Saft, als mir bewusst wurde, dass es diesmal keine Werbung war.

Hustend und prustend stellte ich das Glas auf die Seite und sobald ich mich wieder gefangen hatte, tippte ich eine Antwort. Dann sah ich auf die Uhr und stellte fest, dass mir noch ein paar Stunden bis zu dem ein Uhr Termin blieben. Dieser Mr. Coleman verlor scheinbar keine Zeit. Ein Name über den ich kurz stolperte, denn es hatte in meiner Jugend eine Familie Coleman gegeben und es war wohl nicht übertrieben wenn ich sagte, dass der ältere Sohn meine erste richtige Liebe gewesen war. Doch es war mehr als unwahrscheinlich, dass es sich hier um einen DER Colemans handelte. Denn seine Familie war genau wie die meine aus einem der kleinen Arbeiterviertel gewesen. Solche Leute kamen nicht auf einmal an die Spitze von irgendwelchen Nobelhotels. Das passierte doch nur in Hollywood. Der Name kam immerhin nicht gerade selten vor.

Da ich noch Zeit hatte, sah ich mir nochmal genauer die bestehende Website an und überlegte mir erste Ansätze für die neue Darstellung. Dazu machte ich mir eine Merkliste und bereitete schon mal eine kleine Präsentation vor, welche zwar nur einen Bereich der Website umfasste, nämlich die Vorstellung der Zimmer, der einzelnen Katgegorien und der Preise, aber eben zeigte welche Richtung ich dem ganzen geben wollte.

Als ich fertig war, reichte die Zeit gerade noch für eine ausgiebige Dusche. Danach zog ich mein ungeliebtes Businessoutfit an. Sprich die burgundfarbene Bluse, dazu ein leichtes Sako und ein dazu passender Rock in Cremefarbe und die hohen Schuhe, die ich so hasste.

"Wünsch mir Glück", bat ich noch meine Katze, die faul in einem Sonnenstrahl lag und machte mich bewaffnet mit Laptop und einer ordentlichen Portion Optimismus auf den Weg.

War das Gebäude von außen schon beeindruckend, machte es mich von innen sprachlos. Ich war noch nie zuvor hier gewesen und wusste schon durch die Website, dass die Zimmerpreise hier weit jenseits meines Budgets lagen. Angemessen eingeschüchtert meldete ich mich an der Rezeption und gab dort Bescheid, dass ich mit Mr. Coleman einen Termin hätte. Während ich wartete, versuchte ich mir einzureden, dass der Boss von einem solchen Haus auch nur ein Mensch war und seinen Kaffee letztlich nur mit heißen Wasser kochte. Kein Grund nervös zu sein.

Trotzdem zuckte mein Fuß unruhig, weswegen der Absatz leise vor sich hin klackerte.

tbc: Luxury Oceanfront Hotel - Jensen's Büro

zuletzt bearbeitet 07.04.2014 17:06 | nach oben springen

#3

RE: Wohnraum/Küche

in Katlyn Moore 12.04.2014 16:50
von Katlyn Moore • 71 Beiträge

cf: Luxury Oceanfront Hotel - Jensens Büro

Auf dem ganzen Heimweg und auch danach, ließ mich dieses unerwartete Wiedersehen nicht los. Immer wieder versuchte ich mich selber davon zu überzeugen, dass ich es einfach akzeptieren sollte, wie es jetzt nun mal war und in der Sache nicht weiter herumrühren sollte. Und ich gab mir wirklich Mühe, mich an meinen eigenen Ratschlag zu halten.

Doch so einfach war das gar nicht, denn durch die Arbeit an seiner Website, konnte ich einfach nicht die Sache ad acta legen. Mehrmals war ich kurz davor seine Assistentin anzurufen und ihr höflich mitzuteilen, dass ich den Auftrag leider ablehnen musste. Doch dann streifte mein Blick wieder den Berg Rechnungen und wanderte zu der trotz allem schönen Aussicht von meinem Wohnzimmerfenster aus. So schwierig es auch war, aber ich hatte mich vom ersten Moment an wieder zu Hause und am richtigen Ort gefühlt, als ich zum ersten Mal wieder diese typische Luft von Malibu geschnuppert hatte.

Also biss ich die Zähne zusammen, arbeitete an der Website, telefonierte mit dem Pianisten wegen der Musik, der mir versprach am nächsten oder übernächsten Tag die Stücke zukommen zu lassen. Ich arbeitete, bis mir die Augen zufielen, schlief dann ein paar Stunden und machte weiter, bis mir mittags der Kopf derart rauchte, dass nichts mehr klappen wollte. Jensens versprochene Mail war in der Zwischenzeit ebenso gekommen und damit hatte ich im Grunde alles, was ich brauchte. Trotzdem war ich einfach nicht zufrieden mit dem Ergebnis.

Schließlich musste ich einsehen, dass das alles so keinen Sinn machte und fuhr den Rechner herunter und schnappte mir stattdessen eine Strandtasche, die alles enthielt was ich zum Abschalten brauchte.

tbc: Sandstrand

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#4

RE: Wohnraum/Küche

in Katlyn Moore 13.04.2014 23:20
von Katlyn Moore • 71 Beiträge

cf: Sandstrand

"Auch schon angekommen?", begrüßte ich ironisch die Morgenzeitung, die pünktlich zum Abend vor meiner Haustür lag. Kopfschüttelnd nahm ich sie mit in die Wohnung und legte sie erstmal auf den Tisch. Eigentlich waren die Nachrichten da drin jetzt schon wieder veraltet, doch da ich nichts anderes zur Hand hatte, blätterte ich durch das nicht mehr so aktuelle Tagesgeschehen, während ich ein Brot aß.

Ein Buch lohnte sich nicht, da ich noch Arbeit hatte. Nach meiner kleinen Auszeit wollte ich die ersten Entwürfe für die Website fertigstellen, damit ich die Links noch heute Abend rausschicken konnte. Ich hatte ja keine Ahnung, dass dieses Vorhaben noch äußerst effektiv torpediert werden sollte.

Mir fiel fast der Bissen aus dem Mund, als mir ein Bild regelrecht ins Auge sprang. War das denn zu fassen? Verfolgte der Typ mich denn überall hin? Im ersten Augenblick war ich versucht, den Artikel zu überblättern, doch meine Neugierde ließ mir dann doch keine Ruhe.

http://www.directupload.net/file/d/3590/c68f7ujc_pdf.htm

(hier klicken, um die Zeitung zu sehen, danke an unseren Bastler Jensen )

Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, saß ich erstmal wie erschlagen auf meinem Stuhl. Jensens Eltern waren tot? Voller Traurigkeit dachte ich an die beiden, denn ich hatte mich immer wohl gefühlt, wenn wir als Jugendliche dort gewesen waren. Mit seinem Vater hatte ich wenig zu tun gehabt, doch Jensens Mutter war immer sehr freundlich und geduldig mit uns gewesen. Die Umstände unter denen beide gestorben waren, waren fast noch schlimmer als die Tatsache an sich. Scheinbar hatten die Brüder recht unterschiedliche Wege gewählt, was ihr Leben anging. Und wenn Jared hier und da noch zu sehen war, bedeutete dies wohl, dass er auch noch in Malibu lebte. Ob es eine Idee war, mal mit ihm zu sprechen? Vielleicht konnte er mir helfen zu verstehen, was hier vorging.

Bei der Vorstellung was in Jensen vor sich gegangen sein musste, als seine Eltern so kurz hintereinander starben, wurde mir ganz anders. Eigentlich hätte ich erwartet, dass die Brüder sich gegenseitig durch die schwere Zeit helfen, denn früher hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Doch etwas musste passiert sein.

Es dauerte lange, bis ich mich aufraffen und an die Arbeit machen konnte. Immer wieder dachte ich darüber nach, wie es früher gewesen war. Und darüber was ich jetzt hier vorgefunden hatte. Zehn Jahre waren eine lange Zeit und auch ich hatte mich natürlich verändert. Wir waren keine Teenanger mehr, sondern erwachsene Menschen, mit erwachsenen Problemen.

Fast schon automatisch fügte ich die Bilder und Informationen in das von mir erstellte Gerüst ein, dass ich für die Webseite verwenden wollte. Es war schon weit nach Mitternacht, bis ich zufrieden war und endlich die Links in eine Mail an Jensen einfügte. Außerdem fügte ich noch die drei Musikstücke an, die ich mittlerweile erhalten hatte. Das ganze schickte ich raus und ließ den Laptop noch laufen.

Ich war weit davon entfernt müde zu sein. Vermutlich schlief Jensen schon und ich erhielt erst morgen eine Antwort. So wie alle vernünftigen Menschen um die Uhrzeit. Barfuß und nur mit einem Shirt bekleidet, weil es so warm war, tappste ich in die Küche und goß mir noch ein Glas Rotwein ein. Mit einem genüßlichen Seufzen nahm ich einen Schuck und stellte mich ans geöffnete Fenster. Hinter den meisten Fenstern war es dunkel und nur vereinzelt waren noch Autos unterwegs. Es war so still, dass man die Grillen zirpen hörte und ich lächelte, weil mir bewusst wurde, dass ich genau das vermisst hatte. Man roch das Meer selbst hier noch, auch wenn man es nicht sah.

zuletzt bearbeitet 13.04.2014 23:22 | nach oben springen

#5

RE: Wohnraum/Küche

in Katlyn Moore 19.07.2014 19:43
von Katlyn Moore • 71 Beiträge

Die Nacht war kurz und irgendwie wenig erholsam gewesen. Ich war die warmen Nächte hier nicht mehr gewohnt und dazu kam, dass mir so einiges seit gestern durch den Kopf ging. Ich war hierher zurückgekommen mit der Vorstellung dort wieder anzuknüpfen, wo ich damals aufgehört hatte. Doch sehr schnell hatte ich festgestellt, dass dies nicht so einfach wie gedacht war. Von meinen alten Freunden waren die meisten verschwunden und diejenigen die ich aufgestöbert hatte, hatten kein Interesse mehr an einem Aufnehmen alter Freundschaften oder waren komplett anders als damals.

Jensen war da nur die Krönung und zugegeben, wohl die größte Enttäuschung. Denn ohne Frage war er früher die Person gewesen, die mir wohl am nächsten gestanden hatte. Eben der Kumpel, mit dem ich alles besprechen konnte und mit dem man sprichwörtlich Pferde klauen konnte. Meine Mission "Hol dir dein altes Leben zurück" stand regelrecht auf der Kippe.

Während der Morgen verging, bewachte ich mal wieder den Laptop und allmählich kam ich mir albern vor. Bereits ziemlich früh am Morgen hatte ich eine Empfangsbestätigung für das Lesen der Mail mit dem Entwurf für die Website erhalten. Die Stunden gingen jedoch vorbei, ohne das eine Reaktion dazu erfolgt wäre.

Mittlerweile war Mittag vorbei und nach einem weiteren, erfolglosen Blick in mein E-Mail Fach stieß ich mich genervt von der Schreibtischplatte ab, sodass der Stuhl zurück rollte und beinah meine Katze erwischte, die mit einem wütenden Fauchen aufsprang. "Ernsthaft?", schimpfte ich und es war keine Frage an wen sich diese Frage richtete. "Das ist jetzt nicht dein Ernst?"

Schnaubend stellte ich mich vors Fenster und sah eine Weile nach draußen. Im Augenblick fühlte ich mich einsam und von aller Welt verlassen. Neue Freunde finden war schwer, wenn man kein Geld zum ausgehen hatte und auch sonst keine Kontakte in der Stadt. Natürlich war mir klar gewesen, dass Menschen sich änderten und es nicht gesagt war, dass alte Freundschaften sich so einfach wiederbeleben ließen. Aber wenigstens was Jensen und Jared anging, war ich mir eigentlich sicher gewesen, dass dies die Jahre hätte überstehen sollen.

"Okay, wie du willst", erklärte ich meinem Spiegelbild in der Fensterscheibe schließlich entschlossen. Im Grunde hatte ich ja nichts zu verlieren, denn schlimmer konnte es kaum kommen.

Bevor ich nochmal darüber nachdenken konnte, machte ich mich auf den Weg.

tbc: Hotel - Jensens Büro

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